Ruhiges grünes Wasser im Unterspreewald, Seerosenblätter und Schilf am Ufer, dichter Erlenwald dahinter unter sommerlichem Himmel
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Editorial

Im Kanu durch den Unterspreewald — und wie wenig dazu nötig war.

Im Unterspreewald fahren keine Kahn-Karawanen. Wir haben uns ein Kajak liefern lassen, vierzehn Kilometer langsames Wasser — und mussten dafür kaum etwas tun.

Die drei Boote lagen schon am Ufer, als wir in Groß Wasserburg ankamen, an einem Sonntag Anfang Juni. Die Schwimmwesten daneben, die Paddel quer darübergelegt. Der Verleih hatte sie am Morgen gebracht und startklar hingelegt — wir mussten sie nur noch zu Wasser lassen und einsteigen.

Der Mann, der uns einwies, erklärte im breitesten Brandenburgerisch, wo die Spree sich teilt, wo wir langfahren und an welcher Abzweigung man besser geradeaus bleibt. Dann tippte er auf die Karte, sagte, das sei alles, und schob uns ab. Keine Sicherheitsbelehrung mit Formular, kein Verkaufsgespräch. Nur ein Steg, drei Boote und jemand, der sie vorbereitet hatte.

Der Spreewald, den kaum jemand fährt

Wer Spreewald hört, denkt an Lübbenau: Kähne im Konvoi, Fährleute in Tracht, ein Hafen voller Tagesgäste. Das gibt es, und es hat seinen Platz. Der Unterspreewald, der nördliche, waldigere Teil, ist eine andere Sache. Hier fahren keine Kahn-Karawanen. Über weite Strecken begegnet man niemandem.

Genau dafür sind wir rausgefahren. Ein Fluss-Kajak oder ein ruhiges Kanu-Wandern lebt nicht von der Action, sondern vom Gegenteil — davon, dass nichts passiert, außer dass man vorankommt. Im touristischen Oberspreewald muss man sich die Ruhe erst suchen. Hier oben bekommt man sie gleich am Steg.

Reetgedecktes Spreewaldhaus hinter Bäumen, davor eine Gänsefamilie am grünen Ufer, Seerosen auf dem Wasser

Vierzehn Kilometer, langsames Wasser

Die Strecke ist vierzehn Kilometer lang, und das Wasser nimmt einem die Arbeit fast ab. Die Spree fließt hier so langsam, dass man eher treibt als paddelt; man legt das Paddel quer und schaut. Das Wasser war klar genug, um den Grund zu sehen, die Fließe schmal, der Wald zog dicht bis ans Ufer.

Hier teilt sich die Spree in schmale Fließe; minutenlang kein anderes Boot.

Begegnungen gab es wenige. Ab und zu schob sich einer der breiten Spreewaldkähne vorbei, mit einer Handvoll Gästen an Bord, von denen einige schon am frühen Nachmittag bestens gelaunt waren. Dazwischen: nichts. Ein reetgedecktes Haus hinter den Bäumen. Eine Gänsefamilie am Ufer, die Jungen noch im Flaum, die uns kurz musterte und dann weiterfraß.

Blick über den Bug des Kajaks auf ein vorausfahrendes Boot, schmaler Wasserlauf zwischen Bäumen
Mittagslicht durch die Erlen, das Wasser fast ohne Strömung.

Nach gut zwei Stunden auf dem Wasser hatte sich etwas gelöst. Die gleichmäßige Strömung, die Stille, das viele Grün — irgendwann fällt eine Anspannung ab, die man vorher gar nicht bemerkt hatte. Die anderen im Boot sagten es später unabhängig voneinander: dass eine Fahrt selten so gründlich beruhigt.

Gurken, natürlich

Im Spreewald kommt man an der Gurke nicht vorbei. Wir haben es auch nicht versucht. Am Hafen von Groß Wasserburg, gleich neben der Einsetzstelle, liegt das Gasthaus „Zum Unterspreewald" mit einem großen Biergarten am Wasser. Von dort nahmen wir uns ein Glas Spreewälder Gurken mit ins Boot — schwer zu sagen, ob aus Hunger oder aus Pflichtgefühl gegenüber der Region.

Drei Kajak-Buge nebeneinander an einer Rast, dahinter spiegelglattes Wasser und Uferwald

Später, an einem kleinen Café an der Spree, gab es Gurkensuppe. Man gewöhnt sich daran.

Was man vorher wissen sollte

Viel ist es nicht.

  • Boote und Anbieter: Kanusport Dahmeland sitzt in Märkisch Buchholz und liefert die Boote zur Einsetzstelle; Paddel, Karte, Schwimmwesten und Packtaschen sind kostenfrei dabei. Ein Kajak kostet rund 30 bis 45 € am Tag und ist online buchbar; die Gruppen bleiben klein.
  • Erfahrung: Keine nötig. Das Wasser steht fast still, kentern ist hier schwer. Wer schon einmal in einem Boot saß, kommt zurecht.
  • Anreise: Am einfachsten mit dem Auto — rund 80 Kilometer, gut eine Stunde ab Berlin. Mit der Bahn kommt man bis Lübben und von dort mit dem Bus weiter Richtung Schlepzig; die letzten Kilometer bis ans Wasser sind ohne Auto allerdings zäh. Hier hilft der Lieferservice des Verleihs.
  • Saison: Frühjahr bis Herbst. Anfang Juni fährt man die Hauptspree, weil ein Teil der Nebenfließe in der Vogelbrutzeit gesperrt ist.
Schmaler Wasserlauf am späten Nachmittag, der Bug des Kajaks zeigt in einen grünen Tunnel aus Bäumen

Zurück

Von eins bis sechs waren wir auf dem Wasser, mit Pause, und am Ende fühlte es sich nach weniger an. Das Boot lag wieder am Steg, wo es am Morgen gelegen hatte. Weggeräumt haben wir es nicht — auch das übernimmt der Verleih.

Die Heimfahrt war so ruhig wie der Tag. Im Gepäck, natürlich, eine Gurkenbrause. Irgendwann gibt man den Widerstand auf.

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