Badestelle am Oberuckersee bei Warnitz — Badesteg hinter dem Schilfgürtel, flache Liegewiese im Junilicht
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Schwimmen im Hochsommer — wohin, wenn alle am selben See stehen.

Im Juli sind die bekannten Seen voll, bevor die meisten wach sind. Drei Prinzipien und drei Seen, die den Hochsommer aushalten — alle mit der Bahn erreichbar, keiner zu bequem.

An einem heißen Samstag ist der Schlachtensee voll, bevor die meisten wach sind. Der Liepnitzsee auch. Das liegt nicht an den Seen — die sind so gut wie immer. Es liegt daran, dass alle dieselbe S-Bahn nehmen, an derselben Bucht aussteigen und sich dann auf derselben Wiese einen Platz suchen.

Wer dem entgehen will, braucht keine geheime Adresse. Nur die Bereitschaft, eine halbe Stunde länger zu fahren und den letzten Kilometer zu Fuß zu gehen. Das ist die ganze Idee.

Welche Seen sich grundsätzlich lohnen, steht in unserer Auswahl ruhiger Badeseen in Brandenburg. Hier geht es um etwas Engeres: was man im Hochsommer tut, wenn die nahen Klassiker zu voll sind.

Das Ausweich-Prinzip

Wie voll ein See sich anfühlt, hängt fast immer an drei Prinzipien.

Eine Station weiter. Die meisten steigen dort aus, wo der See am bekanntesten ist. Eine Regionalbahn-Station weiter liegt oft ein Gewässer, das niemand auf dem Schirm hat, weil es in keiner Liste „Berlins schönste Badeseen" auftaucht.

Den letzten Kilometer laufen. Zehn Minuten Fußweg sortieren zuverlässiger aus als jede Verschwiegenheit. Wo das Auto nicht bis ans Ufer kommt und der Bus nur alle zwei Stunden fährt, bleibt es leer — nicht weil der See schlechter wäre, sondern weil Bequemlichkeit ein starker Filter ist.

Die Tageszeit. Ein See, der um 14 Uhr voll ist, ist um 9 Uhr fast leer und am Abend wieder. Das Wasser ist morgens kühler und nach Feierabend am wärmsten. Beides hat seinen Reiz, keins davon hat Publikum.

Was bei allen dreien hilft: ein See, der mit der Bahn erreichbar ist, aber nicht zu bequem. Drei davon stehen hier.

Drei Seen, die den Sommer aushalten

Oberuckersee bei Warnitz

1 h 22 ab Berlin Hbf, RE3 Richtung Stralsund, ohne Umstieg bis Warnitz. Vom Bahnsteig sind es keine 500 Meter zur Badestelle am Schiffsanleger.

Der RE3 hält in Warnitz nur alle zwei Stunden. Das klingt nach einem Nachteil und ist genau der Grund, warum hier selbst im August Platz ist: Ein Zwei-Stunden-Takt lädt niemanden zum Spontanausflug ein. Es gibt kein Strandbad, keinen Eintritt, keine Imbissmeile — der See liegt im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, und das hält den Betrieb klein. Das Ufer läuft lange flach hinein, was mit Kindern einiges leichter macht.

Wutzsee bei Lindow

RE5 bis Löwenberg (Mark), dort umsteigen in die RB54 nach Lindow — zusammen rund anderthalb Stunden ab Berlin Hbf. Vom Lindower Marktplatz sind es wenige Minuten ans Wasser. Am Wochenende fährt früh morgens ein Zug direkt ab Berlin-Ostkreuz und Lichtenberg durch bis Lindow — samstags kurz vor acht.

Auf dem Wutzsee sind Verbrennungsmotoren verboten, was man hört: nämlich nichts. Kein Strandbad, keine Ufergastronomie. Rund um den See führt ein knapp acht Kilometer langer Weg, mal direkt am Ufer, mal durch Erlenbruch und Wald. Wer nicht nur schwimmen will, kann ihn einmal umrunden und zwischendurch an einer der stilleren Stellen ins Wasser gehen.

Storkower See bei Storkow

1 h 16 ab Berlin Hbf über Königs Wusterhausen, dann die RB36 nach Storkow — die fährt stündlich, lässt sich also entspannter planen als die beiden anderen. Vom Bahnhof sind es etwa zehn Minuten zur Badestelle Karlslust an der Seepromenade.

Der Umstieg in Königs Wusterhausen und kein S-Bahn-Anschluss halten den großen Andrang fern. Wer dort war, beschreibt selbst an 30-Grad-Tagen entspannte Verhältnisse: ein kleiner Sandstrand, ein Kiosk, ein Spielplatz, mehr nicht.

Was den Hochsommer-Tag trägt

Drei Dinge entscheiden, ob der Tag gut wird, und keins davon ist der See selbst.

Wasserqualität. Brandenburg misst seine Badestellen regelmäßig und stellt die Ergebnisse offen ins Netz. Vor der Fahrt lohnt ein Blick auf die Badegewässerkarte des Landes — gerade im Hochsommer, wenn Hitze und Blaualgen zusammenfallen können.

Schatten und Zeit. Die wenigsten Naturbadestellen haben viel Schatten. Wer empfindlich ist, kommt früh oder spät und hat dann ohnehin den ruhigeren See.

Der Heimweg. Bei einem Zwei-Stunden-Takt ist der letzte sinnvolle Zug kein Detail. Einmal den Rückfahrplan ansehen, bevor man ihn braucht.

Der vollere See ist selten der bessere. Er ist nur der nähere.