Spreewald-Fließ bei Burg, ruhiges Wasser zwischen Wald
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Spreewald paddeln — die ehrliche Einführung

Wer den Spreewald vom Boot aus sieht, sieht ihn anders. Was man dafür wissen muss — und wo es ruhig bleibt.

Kanu Spreewald — die ehrliche Anleitung

Der Spreewald ist Brandenburgs bekanntestes Wasserziel. Jedes Jahr kommen Hunderttausende — die meisten sitzen in Kähnen, die von Fährleuten gesteuert werden. Das ist nett. Aber wer den Spreewald wirklich verstehen will, muss selbst paddeln.

Paddeln im Spreewald ist keine Extremsportart. Es ist langsames Fortbewegen auf flachem Wasser, durch eine Landschaft, die sich vom Boot aus anders zeigt als von jedem Weg. Aber es gibt Dinge, die man wissen sollte, bevor man einsteigt.

Kanu oder Kajak?

Die Frage klingt technisch, ist aber praktisch. Ein Kanu (offenes Boot, Stechpaddel) ist stabiler, geräumiger und verzeiht Anfängerfehler. Man sitzt höher, sieht mehr, kann Proviant und trockene Kleidung mitnehmen. Für den Spreewald die bessere Wahl für Einsteiger.

Ein Kajak (geschlossenes Boot, Doppelpaddel) ist schneller und wendiger. Aber in den engen Fließen des Spreewalds ist Wendigkeit weniger wichtig als Stabilität. Und bei Anfängern kippt ein Kajak schneller als die Laune.

Wo man startet — und warum das zählt

Im Spreewald gibt es drei grundsätzlich verschiedene Einstiegspunkte, und die Wahl bestimmt die Art des Erlebnisses.

Lübbenau ist der bekannteste Startort — gut mit dem RE2 erreichbar (58 Minuten ab Berlin). Die Fließe südlich Richtung Lehde sind gut markiert, und der Weg dorthin und zurück dauert etwa drei Stunden. Gut für einen ersten Eindruck. Nicht gut für Stille — man teilt sich das Wasser mit Kahnfahrten, anderen Kanus und Ausflüglern.

Burg liegt östlich davon, weniger frequentiert. Die Fließe sind breiter, die Landschaft offener. Wer Richtung Norden paddelt, ist nach einer Stunde in Bereichen, die kaum Touristenverkehr haben.

Schlepzig im Norden des Biosphärenreservats ist der ruhigste Ausgangspunkt. Weniger Infrastruktur, weniger Betrieb auf dem Wasser. Für Menschen, die einen ganzen Tag allein auf den Fließen verbringen wollen, die erste Wahl.

Was man wissen muss

Schleusen

Der Spreewald hat handbetriebene Schleusen. Das bedeutet: anpaddeln, aussteigen, selbst bedienen, durchfahren, schließen. Es gibt Anleitungen vor Ort, es dauert etwa zehn Minuten. Es ist Teil des Erlebnisses, kein Hindernis.

Strömung

Fast keine. Die Fließe sind langsam, manchmal stehend. Das macht das Paddeln einfach, aber die Orientierung schwierig — ohne Strömung weiß man nicht intuitiv, wohin das Wasser fließt. Eine wasserfeste Karte ist Pflicht. Die Spreewaldkarte im Maßstab 1:35.000 ist der Standard.

Wetter

Der Spreewald ist ein Feuchtgebiet. Morgens liegt oft Nebel über dem Wasser. Nachmittags kann es im Sommer gewittern. Beides ist kein Grund, nicht zu fahren — aber ein Grund, eine wasserdichte Tasche mitzunehmen und das Wetter im Blick zu behalten.

Ausrüstung — das Nötige

  • Wasserfeste Karte — Pflicht, Apps versagen bei fehlendem Netz
  • Sonnenschutz — auf dem Wasser unterschätzt man die Reflexion
  • Wasser und Proviant — unterwegs gibt es wenig Einkaufsmöglichkeiten
  • Trockensack — für Handy, Geldbeutel, Wechselkleidung
  • Mückenspray — Feuchtgebiet, wie gesagt

Was man lassen sollte

Musik. Ernsthaft. Die Geräuschkulisse des Spreewalds — Wasser, Vögel, Wind in Erlen, das leise Platschen des Paddels — ist besser als jede Playlist. Wer Bluetooth-Boxen aufs Wasser mitnimmt, hat den Sinn nicht verstanden.

Die Strecke für Anfänger

Lübbenau Richtung Lehde und zurück: etwa drei Stunden, zehn Kilometer, keine Schleusen. Flaches Wasser, gut markiert, mit der Möglichkeit, in Lehde anzulegen und etwas zu essen. Danach weiß man, ob man mehr will.

Die meisten wollen mehr.

Die Strecke für Erfahrene

Eine Tagesrundtour ab Burg Richtung Norden: sechs bis acht Stunden, zwei bis drei Schleusen. Man paddelt durch den Hochwald, wo die Erlen so dicht stehen, dass sie ein grünes Dach bilden. Im Sommer ist es dort kühler als an Land. Im Herbst liegt Laub auf dem Wasser. Es gibt Abschnitte, auf denen man eine Stunde lang keinen Menschen trifft.

Das ist der Spreewald, den die Tourismus-Broschüre nicht zeigt. Und der, den man sich merkt.