Der Liepnitzsee bei Wandlitz an einem Sommertag — ein von Buchenwald umstandener, spiegelglatter Waldsee, im Vordergrund ein überhängender Ast.
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Zehn Grad kühler — wo Brandenburg im Hochsommer schattig bleibt.

An einem Tag mit 38 Grad ist die Frage nicht, ob man rausgeht, sondern wohin. Schattige Bachtäler und kühle Waldseen in Brandenburg, mit Familien-Check und realistischer Anreise.

Die Lufttemperatur im Wald liegt selten mehr als ein paar Grad unter der in der Stadt. Zwischen praller Mittagssonne und tiefem Laubschatten aber liegen gefühlt zehn. An einem Tag mit 38 Grad ist genau das der Unterschied, der zählt. Die Frage ist dann nicht, ob man rausgeht, sondern wohin. Und wann: Spätestens um elf gewinnt die Sonne.

Es gibt in Brandenburg Orte, die das Problem kleiner machen. Ihre Geografie sorgt dafür.

Warum manche Orte kühler bleiben

Drei Dinge halten einen Ort im Hochsommer kühl, alle an der Landschaft ablesbar.

Das erste sind Bachtäler und Schluchten. In ein tief eingeschnittenes Tal sinkt kühle Luft und bleibt liegen, quellgespeiste Bäche führen Wasser von unter zehn Grad, und über allem schließt sich ein Laubdach. Das zweite sind tiefe Seen: Was unten kalt ist, kühlt auch die Ufer. Das dritte ist der Wald selbst, und hier wird oft geschummelt. Buche und Erle stehen dicht und lassen kaum Licht durch. Kiefer und Eiche, der märkische Sandwald, stehen licht. Darunter ist es hell, trocken und wärmer, als der Begriff „Wald" verspricht. Wer Schatten sucht, sucht Laub, nicht Nadeln.

Die Bachtäler: Schatten, der hält

Am verlässlichsten kühl sind die Täler. Orte zum Wandern, mit Schatten fast den ganzen Weg.

Das Briesetal bei Birkenwerder ist der naheliegendste Anfang, im Wortsinn: S1 und S8 halten dort, der Weg beginnt fast am Bahnsteig. Was dann kommt, ist ein Erlenbruchwald, durch den die Briese fließt, mit Bohlenstegen über dem nassen Grund. Der schattigste und ruhigste Ort hier. Der Wanderweg zur Waldschule misst rund 6,5 Kilometer und bleibt flach. Zwei Hinweise: Der Sandstrand am Briesesee liegt offen in der Sonne, das Tal ist schattig, der Badeplatz nicht. Und ein Erlenbruch im Juli bedeutet Mücken. Mit Spray ist das Thema erledigt.

Das Schlaubetal südlich von Frankfurt (Oder) gilt vielen als das schönste Bachtal Brandenburgs: ein zwanzig Kilometer langes, steiles Kerbtal, dichte Hangwälder, durchgehend Schatten. Der Haken ist die Anreise. Mit Bahn und Bus geht es nur im Sommerhalbjahr an Wochenenden, sonst mit dem Auto. Statt des 28-Kilometer-Fernwanderwegs nimmt man am besten den rund vier Kilometer langen Naturlehrpfad am Wirchensee, mit einer steilen Treppe zum Försterblick, an der man mit kleinen Kindern auch umkehren darf.

In der Märkischen Schweiz bei Buckow heißen die Schluchten „Kehlen". Der Sophienfließ-Pfad führt auf rund sieben Kilometern durch Drachenkehle und Wolfsschlucht, an Biberrevieren vorbei, über Bohlen und Wurzeln. Mittelschweres Gehen für Geübte, schön schattig, aber kein Kinderwagenweg. Buckow erreicht man mit der RB26 ab Ostkreuz bis Müncheberg und dem Bus 928. Von den Naturpark-Orten ist das die beste Verbindung.

Die kühlen Waldseen: Schatten und Wasser

Wo Schatten und Baden zusammenkommen, wird es voll. Es ist dieselbe Logik, die auch dich hinführt.

Der Liepnitzsee bei Wandlitz ist das Lehrbuchbeispiel: ein klarer See, im Sommer 18 bis 22 Grad, von echtem Buchenwald umstanden. Die RB27 fährt bis Wandlitzsee, werktags ab Berlin-Gesundbrunnen in rund 27 Minuten, am Wochenende ab Berlin-Karow. Vom Bahnhof sind es dann eine halbe Stunde zu Fuß zum Waldbad mit Nichtschwimmerbereich, Steg und Kiosk. Im Sommer setzt eine Fähre auf die Insel über. So weit das Gute. An heißen Wochenenden teilst du das mit halb Berlin, und wer mit dem Auto kommt, holt sich in Ützdorf zuverlässig ein Knöllchen. Also früh da sein oder einen Werktag wählen.

Das Strandbad Buckow am Schermützelsee, gleich neben den Schluchten, ist der bessere Ort, wenn Kinder mit sollen: Wasser seit Jahren mit der Bestnote „ausgezeichnet", flacher Einstieg, Rettungsschwimmer, Spielplatz, Imbiss. Klein ist das Bad trotzdem, und an Spitzentagen merkt man das.

Der Stechlinsee bei Neuglobsow ist mit 70 Metern der tiefste See Brandenburgs. An kaltem Wasser fehlt es ihm nicht. An Klarheit inzwischen schon: Seit gut zehn Jahren trüben Algenblüten die einst berühmte Sicht. Als schattiger Spaziergang im Buchenwald lohnt er sich. Zum Baden ist er nicht mehr die erste Wahl.

Und für alle, die die Stadt nicht verlassen können, eine ehrliche Ausnahme: Die Krumme Lanke ist mit S1 und U3 in einer knappen Viertelstunde erreichbar. Sie steht aber im lichtesten Wald dieses Textes, Kiefer und Eiche statt Buche. Flach und kindgeeignet ist nur die Nordbucht. An den übrigen Ufern fällt der Grund nach wenigen Metern steil ab. Ein Notbehelf für heiße Stadttage.

Mit Kindern: Was wirklich funktioniert

Für einen Hitzetag mit Kindern ordnet sich die Liste anders. Jetzt zählen flaches Wasser, Schatten in Reichweite und ein Eis, bevor die Stimmung kippt.

In dieser Reihenfolge funktioniert es am ehesten: erst das Strandbad Buckow, weil dort alles an einem Platz liegt, dann das Briesetal für einen kühlen Vormittag, den Liepnitzsee nur, wenn du den längeren Weg und den Trubel in Kauf nimmst.

Das Alter macht den Unterschied. Kleinen Kindern um die fünf reicht eine kurze Strecke, flaches Wasser und Schatten zum Trocknen. Ältere bis etwa zwölf halten die Sophienfließ-Schlucht aus und finden die Biberspuren spannender als jeden Strand. Beides am selben Tag geht selten. An zwei Tagen schon.

Ein Satz zur Sicherheit: Steile Ufer fallen schnell in tiefes, kaltes Wasser ab, an der Krummen Lanke wie am Stechlin. Mit kleinen Kindern bleibt man an den ausgewiesenen flachen Stellen. In den Schluchten zählt Trittsicherheit.

Die kühle Stunde

Vor acht Uhr ist der Wald am kühlsten und am leersten. Die erste Stunde gehört dir fast allein, das Licht steht flach, der Boden hat die Nacht noch nicht vergessen. Ab elf wird es Zeit für den Schatten oder den Heimweg. Das ist keine Vorsicht, das ist Arithmetik.

Die Hitze nimmt einem den Mittag und schenkt dafür den Abend. Was um halb eins keinen Sinn ergibt, ergibt um neun plötzlich einen: aufs Wasser gehen, wenn die Hitze von den Planken steigt und der See spiegelglatt liegt. Die Fledermäuse sind dann ohnehin wach, und du bist es auch.

Brandenburg wird im Hochsommer nicht kühler, als es ist. Aber Schatten hat es genug, für alle, die wissen, wohin.

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