Waldweg durch Mischwald mit Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen, Brandenburg
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Brandenburgs Naturparks — elf Landschaften, die man kennen sollte

Brandenburg hat elf Naturparks, ein Biosphärenreservat und einen Nationalpark. Die meisten Berliner kennen keinen davon.

Was ein Naturpark ist — und was nicht

Ein Naturpark ist kein Nationalpark. Der Unterschied ist wichtig. Ein Nationalpark schützt Natur vor Menschen. Ein Naturpark versucht, beides zusammenzubringen — Landschaft und Nutzung, Schutz und Zugang. Das ist schwieriger, weniger romantisch und im Ergebnis oft interessanter.

Brandenburg hat elf Naturparks. Zusammen bedecken sie fast ein Drittel der Landesfläche. Das ist bemerkenswert für ein Bundesland, das die meisten Berliner als flache Durchfahrt Richtung Ostsee kennen.

Naturpark Barnim — der Stadtnahe

Der Barnim beginnt, wo Berlin aufhört. Wörtlich. Die Grenze zwischen Pankow und dem Naturpark ist fließend. Man steigt in die S-Bahn, fährt zwanzig Minuten und steht in einem Wald, der sich anfühlt wie hundert Kilometer entfernt.

Der Barnim ist ein guter Einstieg für Menschen, die noch nie in einem Naturpark waren. Die Wege sind markiert, die Infrastruktur vorhanden, die Anfahrt unkompliziert. Was ihn besonders macht: die Buchenwälder im Norden, die zu den ältesten in der Region gehören. Im Frühling blüht hier der Boden blau vor Buschwindröschen.

Für wen: Halbtagesausflügler, Familien, Einsteiger. Barfußwandern auf dem Waldweg zwischen Bernau und Biesenthal ist hier besonders gut.

Naturpark Märkische Schweiz — der Unterschätzte

Ostbrandenburg, eine Stunde mit dem RE1. Die Märkische Schweiz verdankt ihren Namen den Hügeln — für brandenburgische Verhältnisse fast dramatisch. Der Schermützelsee, dreißig Meter tief, klar und von Buchen umstanden, ist ihr Zentrum.

Buckow am See war schon in den Zwanzigerjahren ein Erholungsort. Brecht hatte dort ein Sommerhaus. Die Wanderwege um den See herum sind anspruchsvoller als die flachen Routen anderer Naturparks — nicht alpin, aber hügelig genug, dass man es in den Beinen spürt.

Für wen: Wanderer, die etwas Topografie wollen. Der Poets' Trail verbindet Literaturgeschichte mit Landschaft.

Naturpark Uckermärkische Seen — der Weite

Die Uckermark ist das, was passiert, wenn man Landschaft nicht zugebaut hat. Seen, die keine Uferpromenade brauchen. Wälder, die keinen Wegweiser brauchen. Himmel, der weiter ist als in der Stadt.

Der Naturpark umfasst über 800 Seen. Die meisten davon sind so klein, dass sie auf Karten keinen Namen haben. Man findet sie beim Wandern, zwischen Kiefern und Birken, und fragt sich, ob man der Erste ist, der diesen See an diesem Tag sieht. Oft stimmt das.

Die Vogelbeobachtung hier ist erstklassig. Fischadler, Seeadler, Kraniche — die Uckermark hat eine Artenvielfalt, die man Brandenburg nicht zutraut, bis man sie gesehen hat.

Für wen: Menschen, die weite Landschaften brauchen. Vogelbeobachter. Paddler — die Feldberger Seenlandschaft im Norden ist eines der schönsten Kanureviere Deutschlands.

Naturpark Westhavelland — der Dunkle

Das Westhavelland hat zwei Besonderheiten: Es ist eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete Mitteleuropas. Und es ist der dunkelste Ort Deutschlands.

Seit 2014 ist es als Sternenpark zertifiziert. Das heißt: Die Lichtverschmutzung ist so gering, dass man die Milchstraße mit bloßem Auge sieht. Für Berliner, die nachts maximal drei Sterne zählen können, ist das eine Offenbarung.

Tagsüber ist das Havelland eine offene, ruhige Landschaft aus Wiesen und Wasserflächen. Im Herbst kommen die Kraniche — Zehntausende davon. Im Sommer blühen die Wiesen. Im Winter ist es still genug, dass man das Eis auf den Gräben knacken hört.

Für wen: Sternenbeobachter, Kranichfans, Menschen, die Dunkelheit schätzen.

Naturpark Hoher Fläming — der Handwerkliche

Der Fläming liegt südwestlich von Berlin, hügelig und überraschend waldreich. Was ihn von anderen Naturparks unterscheidet, ist die Dichte an Handwerk und kleinen Höfen. Hier wird noch geflochten, geschnitzt, gebacken — nicht als folkloristische Vorführung, sondern als Lebensgrundlage.

Der Internationale Kunstwanderweg verbindet Skulpturen und Installationen mit Waldwegen. Es ist Kunst, die draußen steht, weil sie dorthin gehört — nicht weil ein Museum keinen Platz hatte.

Für wen: Handwerksinteressierte. Radfahrer — die Flaeming-Skate ist eine 230 Kilometer lange, asphaltierte Strecke durch die Landschaft. Korbflechten, Grünholz-Schnitzen und Naturfarben-Workshops finden hier regelmäßig statt.

Die anderen sechs — kurz und ehrlich

Dahme-Heideseen: Kiefernwälder und Seen südöstlich von Berlin. Gut für Kajakfahrer. Weniger spektakulär, aber nah und zuverlässig.

Schlaubetal: Das schönste Bachtal Brandenburgs. Eine Tageswanderung, die sich lohnt. Die Anfahrt ist der einzige Nachteil.

Stechlin-Ruppiner Land: Der klarste See, die schönsten Buchenwälder, Fontane-Landschaft. Neuruppin als Basis.

Niederlausitzer Heidelandschaft: Ehemalige Truppenübungsplätze, die sich die Natur zurückgeholt hat. Wildnis, die nicht geplant war.

Niederlausitzer Landrücken: Tagebaufolgelandschaft, die sich in Seen und Wälder verwandelt. Nicht schön im klassischen Sinn. Faszinierend im realen.

Nuthe-Nieplitz: Flach, offen, still. Kraniche im Herbst, Feldlerchen im Frühling. Südlich von Potsdam, mit dem RE7 erreichbar.

Was das bedeutet

Elf Naturparks, ein Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, ein Nationalpark Unteres Odertal. Zusammen mehr als 8.000 Quadratkilometer geschützte Landschaft. Das ist nicht wenig. Das ist ein Angebot.

Die meisten dieser Gebiete sind mit dem Regionalzug erreichbar. Keines verlangt Eintritt. Alle sind da, das ganze Jahr, ohne Voranmeldung.

Brandenburg hat kein Marketing-Problem. Es hat ein Wahrnehmungsproblem. Die Naturparks sind die Antwort — man muss nur hinfahren.